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Wie es aber unsere Teutschen diser zeit, den alten Teutschen mit dem weintrincken, spilen unnd übung des ritterspils, auch ire heirat und malzeitten beschlieszlich nachkomen unnd halten, davon were vil zuschreiben, dann laider die sachen, so man sie gegenainander halten, gar ain seltsame unnd abscheuliche abglaichung geben würd. Die alten, so sie in iren maltzeiten und gastereyen bey iren freünden, hohes oder niders stands gesessen seind, haben sie von iren alt vorfaren redlichen thaten gesagt, welches die jung gehört, unnd iren zuhertzen gangen, lust und leibe zu der ritterlichenn kunst des fechtens, daraus den rittermessigen das lob ervolgt, getragen. Das mit künstlichem flais settigs geübt, und ander untugend, als trincken, spilen, wollust der weiber, hochfart der Claidung sich enthalten. Apoph: fol.721. Plutarchus schreibet in seiner Apophtegmata, das der künig Antigonus, den philosophum Menedemum auff ain zeit fraged, ob er zu guten gesellen zu ainem undertrunck geen solte. Menedemus antwurt im mit ainem wort unnd sagt, Ey, er ist aines künigs sune, wolt damit anzaigen, das der künig, fürsten und obern, zu dem wein zugeen, ubel anstüende. Vermaint sie hetten wol ander exercitium und übung, die inen vil loblicher, auch nutzlicher, dann das zutrincken, weren deren sie sich gebrauchen sollen. Apoph: fol.312. Deszgleichen het Alexander der gros auch, als er in seiner jugend auff ain Zeit bey dem wein gewesen, und wider heim zuhof kame, ward seinem vatter Philippo angesagt, wie das sein sone Alexander bey dem wein gewesen, und so wol gesungen hette, dessen der künig Philippus übel zufriden was, und straft in mit dien worten, unnd sagt, schämst du dich nit vor dir selber, das du so wol zechen und singen kanst, als wolt er sagen, bist du nicht aines künigs sun, was geest du dann mit solch schnöden übung umb, wilt du nurch solche leichtvertige übungen, deine künigreich nach mainem tod erhalten, oder hast du an den stetten Athen, Corinthum, Argis, Corcica, und ander mer, so schlechte kindische Nachbaurn, so wende dain gemüet zu anderen ritterlichen künsten, die zuerbawung deines reichs, eeren unnd wolfartt, dieen. Ab welcher leer unnd straff, sich Alexander dermassen entsetzet, das er den ritterlichen übungen so vast ist obgelegen, das er hernacher auf vilen kampfplätz, den danck erlangt, und zuletst dahin komen, das er in zwelff jaren die gantz welt, mit seinem ritterlichen gemüett, bezwungen und bestritten hat. Und warlich wie mich die sach ansicht, so ist gentzlich zu achten, wann solche ritterliche übung nach der alten art unnd gebraüch, an stat anderer leichtvertigen übungen, welche durch lenge der zeit, nicht allain an dem küniglich und fürstlich höfen, sonder auch in den stetten, und sonst allenthalben, so gwaltig aingerissen, und die übung guter tugenden vertrungen haben, widerumb bey den hohen und nidern potentaten seinen gang gewinnen möchte. Das solchs alle, Teutschland, an seiner verfalnen Reputation und ferrlichen ansehen, hochnutzlich und dienstlich sein würde.

Disem Eerliebenden gebreuch des ritterspils hat Heinricus des namens der erst, Römisch Kaiser, auff das er nicht gar verfiele, mit gutem zeittigem ratt seiner fürsten, und andere herrn, nach allen seinen lüsten und begirden, dachvolgen und zuhilff komen wollen, und das hochloblich ritterspil den turnier aufgerichtet, unnd denselben anno .938. mit rat seiner fürsten und herren, zuerhaltung Eer, zucht, und Erbarkait inm Hailig Reich Teutscher Nation, mitt zwelff loblichen eerlichen und Christlichen Articulen gezieret. Dergestalt, das niemandt von dem Adel, Fürsten oder Grafen, das ritterspil den turnier hat gebrauchen dürffen, der wider bemelte zwelff artickel gehandlet hat. Welcher aber solchs überfüer, ward for allen fürsten, herren und frawen, zuspot gemacht, unnd auf die schrancken gesetzt, rosz, wher, unnd harnasch genomen, und offenlich durch die herold, als ain übelthatter auszgerüefft, dardurch dann die Fürsten Herrn und Edelleut, dermassen zu gutten tugenden geraitzt, und vil grosser laster underlassen haben.